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Blog & Wissenswertes

Tierische Invasoren

von Andreas Fleiter
Tierische Invasoren – Gebietsfremde Arten zwischen Bekämpfung und Akzeptanz - Die meisten Gärtner haben den Kampf aufgegeben. Über Jahre gewachsene, schmucke Buchsbaumhecken oder -bäume stehen nurmehr als kahle Gerippe. Sie fielen einer biologischen Invasion zum Opfer, abgefressen von den Raupen des Buchsbaumzünslers. Als dieser in Ostasien beheimatete Kleinschmetterling Anfang des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa gelangte, hatte er hier keine natürlichen Feinde.

 Arten entstehen in ihren Lebensräumen durch Anpassung. Ihre Verbreitung ist prinzipiell durch biogeografische Barrieren wie Gewässer, Gebirgszüge und Klima begrenzt. Als der Mensch sich die Welt erschloss, brachte er absichtlich wie unabsichtlich Pflanzen und Tiere in Gebiete außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets. Die Entdeckung Amerikas 1492 gilt als Nullpunkt, von dem an die Zahl der überkontinental transportierten Arten langsam, aber stetig zunahm. Wachsende Mobilität und globalisierter Handel haben diesen Prozess in den letzten Jahrhunderten beschleunigt. Im Jahr 2018 verzeichnete die NOBANIS-Datenbank für Deutschland 2192 fremde gegenüber mindestens 70.000 einheimischen Tier- und Pflanzenarten.

Blinde Passagiere, Flüchtlinge und Jagdwild

Der Buchsbaumzünsler kam im Schatten globalisierter Märkte nach Deutschland. Baumzuchten aus China exportierten befallene Pflanzen. Aber schon im 19. Jahrhundert reisten Schädlinge als blinde Passagiere. Die Reblaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts durch infizierte Rebstöcke aus Nordamerika nach Frankreich eingeführt. Manche fremden Arten galten als Nutztiere. Die ursprünglich auf der Iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika beheimateten Wildkaninchen setzte man im Mittelalter in Mitteleuropa frei, um sie jagen zu können. Minke, Bisamratten und Waschbären wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zur Pelzgewinnung nach Europa gebracht, wo freigesetzte und geflohene Exemplare Kolonien begründeten. Asiatische Marienkäfer kamen 1982 nach Europa, um Blattläuse in Gewächshäusern zu fressen. Einmal ins Freiland gelangt, breitete sich die Art mit einer Geschwindigkeit von über 440 km pro Jahr aus.

Schäden und Beeinträchtigung der Biodiversität

Fremde Arten können beträchtliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Während dem Buchsbaumzünsler vor allem Zierpflanzen zum Opfer fallen, vernichtet der aus Europa nach Nordamerika verschleppte Maiszünsler jährlich schätzungsweise 4% der weltweiten Maisernte. Lange gefürchtet war hierzulande der um 1920 aus Nordamerika eingeschleppte Kartoffelkäfer. Schäden anderer Art richten Waschbären an, deren Population in Deutschland mittlerweile auf 500.000 geschätzt wird. Weil sie Mülltonnen plündern, in Keller und Dachböden einbrechen, gelten sie vielerorts als Plage. Mitunter fatale Folgen hat die Interaktion der nicht-einheimischen mit den einheimischen Arten. Konkurrenz und Fressverhalten, aber auch eingeschleppte Krankheiten und Parasiten können zur lokalen Ausrottung oder gar zum Aussterben ganzer Arten führen. Hunde werden für das Aussterben des Beutelwolfs, Katzen für die Ausrottung des Streifenbeuteldachses in Australien verantwortlich gemacht. Das 1876 in Großbritannien ausgesetzte Amerikanische Grauhörnchen übertrug eine Viruserkrankung, die zu einem dramatischen Rückgang der Population des Europäischen Eichhörnchens auf der britischen Insel geführt hat. Gemeinsame Nachkommen von Minks und Europäischen Nerzen sind unfruchtbar, was die wildlebende Nerzpopulation gefährdet.

Bewertung und Handlungsansätze

Gebietsfremde Arten, deren Auftreten negative Folgen für die Biodiversität der betroffenen Ökosysteme haben, werden als invasiv angesehen. Die EU schätzte 2014, dass sich 10 bis 15% der rund 12.000 in Europa vorkommenden gebietsfremden Arten invasiv verhielten. 2017 wurden 49 zu bekämpfende Arten benannt, darunter Waschbär, Bisam und Grauhörnchen. Organisationen wie der Naturschutzbund Deutschland haben noch eine erhebliche Erweiterung der EU-Liste gefordert. Andere Stimmen wie der Umweltjournalist Fred Pearce warnen hingegen davor, lediglich zwischen guten und bösen Arten zu unterscheiden. Man dürfe sich die Natur nicht als in sich geschlossenes, stabiles System vorstellen. Eingeschleppte Arten könnten sich nur etablieren, wenn sie ökologische Nischen besetzten oder sich an ihre neue Umwelt anpassten. Die Natur sei in ständiger Evolution begriffen, und der Mensch habe bereits so stark in die Natur eingegriffen, dass es keinen Urzustand gebe, den man wiederherstellen könne.

Wo sich Leitbilder des bewahrenden und des dynamischen Naturschutzes gegenüberstehen, verweisen vermittelnde Ansätze darauf, dass neben Vorsorge und Früherkennung eine Bewertung der allgemeinen und situationsbezogenen Risiken erfolgen müsse, um den Problemen sinnvoll zu begegnen. In Deutschland hat Bekämpfung Tradition. Aber während Ausrottungsprogramme auf Inseln funktionieren können, scheiterte beispielsweise die massive deutsche Bisambekämpfung. Mit den Tieren werden häufig nur die Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpft und mitunter weitere Schäden angerichtet. Biologische Invasionen können auch positiv als Anpassungsleistung der Natur an neue, durch den Menschen gestaltete Bedingungen gesehen werden, deren langfristige Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Das macht auch den Gärtnern Hoffnung. So mehren sich die Hinweise, dass Kohlmeisen und Spatzen Geschmack an den Raupen des Buchsbaumzünslers finden.

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